KÜSTENEROSION
Ostengland hat eine lange Küstenlinie, die sich in den letzten 2000 Jahren stark verändert hat. Die Kraft des Meeres hat vielerorts ihre Spuren hinterlassen: von den sandigen Klippen Norfolks gehen jährlich ein bis drei Meter verloren, während das alte Zentrum von Lowestoft heute weiter vom Meer entfernt ist als vor 500 Jahren. Die Situation ist nicht neu: in Römischer Zeit war der Küstenverlauf bei Felixstowe etwa 5 km weiter draussen als heute. Durch Küstenerosion liegen grosse Teile des Landes jetzt unter Wasser. Über die Jahrhunderte hinweg sind ganze Städte im Meer versunken: die alte Königsstadt Dunwich, Easton Bavents, Old Felixstowe.
WALTON-ON-THE-NAZE
Walton-on-the-Naze ist ein reizvoller traditioneller Küstenort, umgeben von wunderschöner Landschaft. Allerdings hat der Ort sehr mit Küstenerosion zu kämpfen:
Um 1300
Ursprünglich war Walton ein weit im Landesinneren liegendes Bauerndorf. Erst im 17. Jahrhundert frass sich das Meer so nah heran, dass man es als Küstenort bezeichnen konnte. Über die Jahrhunderte sind durch Küstenerosion grosse Teile Land abgetragen worden (“Consumpta per Mare”). Archäologische Grabungen legen nahe, dass bereits die Römer die Gegend besiedelten, gefolgt von den Sachsen, die den Ort "Weala tun" tauften.
Um 1800
Bis 1800 wurden grosse Teile der mittelalterlichen Siedlung unterspült, im Jahre 1789 versank die All Saints-Kirche im Meer. Zu dieser Zeit hatte Walton 250 Einwohner, das benachbarte Frinton 30. Waltons Geschichte als beliebtes Seebad begann im frühen 19. Jahrhundert, als hauptsächlich Leute aus der näheren Umgebung den Ort besuchten. Mit zunehmender Popularität machte Walton den anderen Badeorten Konkurrenz. Der Bau von Eisenbahn und Pier, an den Dampfschiffe anlegen konnten, beschleunigte den Wachstum der Stadt. In Viktorianischer Zeit war Walton äusserst beliebt. Der Naze Tower, 1720 erbaut, um Schiffen den sicheren Weg nach Harwich zu weisen, wurde ein beliebtes Ausflugsziel. Seit dem Zweiten Weltkrieg geht es jedoch mit Walton stetig bergab.
HEUTE
Das heutige Walton ist von einer Betonmauer und hölzernen Buhnen vor dem Meer geschützt. Der Küstenschutz beginnt südwestlich von Clacton und endet kurz vor der Naze-Halbinsel, die stark von Küstenerosion betroffen ist. Bunker aus dem Zweiten Weltkrieg sind die Klippe herabgestürzt und zeigen deutlich, wie schnell die Erosion voranschreitet: ein bis zwei Meter pro Jahr. Ohne schützende Massnahmen wird der Naze-Leuchtturm, ein geschütztes Baudenkmal, innerhalb von 50 Jahren ins Meer stürzen, und die Naze-Halbinsel wird komplett abgetrennt sein.
WARUM WALTON?
Während der LOST TOWN Machbarkeitstudie haben wir verschiedene Orte entlang der ostenglischen Küste bereist und analysiert. Auf Grund seiner Geschichte, der günstigen Lage und seiner landschaftlichen Reize erwies sich Walton-on-the-Naze als passender Ort für das LOST TOWN Projekt: Die Naze-Halbinsel ist bis heute massiv von Küstenerosion betroffen und unterstreicht die Dramatik der Kirchenskulptur und die Notwendigkeit von Massnahmen zum Küstenschutz. Herabgestürzte Bunker aus dem Zweiten Weltkrieg und der durch Küstenerosion bedrohte Naze-Leuchtturm sind traurige Beispiele dafür.
Der Pier von Walton, einer der längsten in Grossbritannien, bietet gute Aussichtsmöglichkeiten auf die Skulptur. Auch könnte an Schifffahrtstraditionen von früher angeknüpft und Bootstouren vom Pier aus angeboten werden.
Die Skulptur wäre von Harwich und Felixstowe aus sichtbar und könnte zu einem Symbol für die gesamte Küstenregion werden (Haven Gateway). Zwei Millionen Fährenpassagiere würden pro Jahr an der Skulptur vorbeifahren.
Walton braucht neue Entwicklungen und Impulse. Die Stadt ist als "Urban Regeneration Area" eingestuft.




